Für die erfolgreiche Einführung einer Beschaffungsplattform ist weit mehr erforderlich als die richtige Software. Die Entscheidung ist gefallen, das Budget genehmigt und das neue Beschaffungstool ausgewählt. In der Praxis beginnt nun die Phase, die den wahren Wert der Investition bestimmt: die Planung für Implementierung und Rollout.
Ein gut durchdachter Einführungsplan umfasst weit mehr als die Verwaltung von Meilensteinen, Testskripten und Rollout-Phasen. Er muss Geschäftsanforderungen, Beschaffungskanäle, ERP-Daten und Rollen so aufeinander abstimmen, dass die neue Lösung zum natürlichen und zuverlässigen Bestandteil des Arbeitsalltags wird.
Organisationen, die berücksichtigen Digitalisierung des Einkaufs Eine reine Softwareinstallation birgt das Risiko, lediglich bereits ineffiziente Prozesse zu digitalisieren. Damit eine Implementierung zu echten Geschäftsveränderungen führt, müssen Einkaufs- und IT-Manager von Anfang an fünf entscheidende Erfolgsfaktoren berücksichtigen.
1. Beginnen Sie mit den Problemen – nicht mit den Softwarefunktionen.
Viele Projektgruppen orientieren sich zunächst an der Funktionsliste des Tools. Die wichtigste Frage ist jedoch nicht, welche Module konfigurierbar sind, sondern wo die konkreten Probleme im heutigen Einkaufsprozess liegen.
Beispielsweise kann es für Käufer schwierig sein, den richtigen Kaufprozess zu finden, geltende Vorschriften zu verstehen oder den Status einer Bestellung zu verfolgen. Gleichzeitig verliert die operative Einkaufsabteilung wertvolle Zeit durch unvollständige Freitextanfragen, manuelle Korrekturen und wiederkehrende Fragen.
Eine nachhaltige Vorbereitung erfordert daher eine frühzeitige Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Betrieb, Einkauf, IT und Finanzen. Die identifizierten Schwachstellen müssen in messbare Ziele umgewandelt werden. Dies kann die Reduzierung von Freitextanfragen für bereits durch ausgehandelte Produkte abgedeckte Bedarfe oder die Einschränkung sogenannter „Maverick Buyings“ umfassen, bei denen Käufe außerhalb etablierter Prozesse und Regeln getätigt werden.
Diese Prozessziele bilden die Grundlage für eine fundierte Entscheidungsfindung. Die Berechnung sollte sich nicht auf Lizenz- und Implementierungskosten beschränken. Datenbereinigung, Entwicklung und Überwachung von Integrationen, Betrieb der Middleware und Schulungen beeinflussen ebenfalls die Gesamtbetriebskosten und müssen von Anfang an berücksichtigt werden.
2. Strukturieren Sie die Einkaufskanäle, bevor Sie sie digitalisieren.
Moderne Lösungen für die Auftragserfassung und -steuerung sollten dem Anfragenden einen zentralen Zugangspunkt bieten und die Komplexität im Hintergrund bewältigen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn die einkaufende Organisation zuvor ihre Prozesse und Beschaffungswege definiert hat.
Fehlen klare Kaufprozesse, kann selbst hochentwickelte Software nicht mehr leisten, als Anfragen zu erfassen. Um diese zu steuern und die Prozesse automatisieren Vor der Markteinführung muss festgelegt werden, welche Bedürfnisse über Kataloge, Marktplätze, Rahmenverträge, eigene Lager oder priorisierte Lieferanten abgedeckt werden sollen.
Das System benötigt außerdem vordefinierte Schwellenwerte, automatische Genehmigungsregeln und strukturierte Formulare für die unvermeidlichen Freitextfelder. Je mehr standardisierte Prozesse im Vorfeld vereinbart und definiert wurden, desto höher ist der Anteil der Käufe, den das Unternehmen per Self-Service abwickeln kann.
Freitextanfragen werden nicht gänzlich verschwinden. Richtig eingesetzt, können sie vielmehr eine strategische Grundlage bilden. Durch die Analyse wiederkehrender Muster kann der Einkauf ermitteln, welche Kategorien bei neuen Rahmenverträgen oder Katalogverbindungen Priorität haben sollten.
3. Die ERP-Integration sollte das Rückgrat der Lösung bilden.
Digitale Einkaufsprojekte stoßen schnell auf Probleme, wenn der Prozess an der Grenze zu … abbricht. Das ERP-System. Das zentrale ERP-System ist normalerweise die zuverlässige Quelle des Unternehmens für Stammdaten, Kostenstellen, Budgets, Berechtigungen und Rechnungslegungsvorschriften.
Die Einkaufsplattform muss diese Daten nicht nur abrufen und nutzen. Sie muss einen reibungslosen Ablauf vom Bedarf und der Kaufanfrage bis hin zur Bestellung, Lieferung oder Serviceregistrierung und Rechnungsstellung gewährleisten.
Wenn Unternehmen über komplexe Middleware auf verzögerte Datenkopien angewiesen sind, entstehen leicht parallele Datenumgebungen. Wurde beispielsweise ein Lieferant gesperrt oder ein Budget im ERP-System aufgebraucht, die Informationen sind aber noch nicht in der Einkaufslösung eingegangen, arbeitet die Benutzeroberfläche mit veralteten Daten.
Stabile Prozesse von Anfang bis Ende, einschließlich Ausnahmen wie Lieferverzögerungen und Budgetüberschreitungen, sind daher wichtiger als eine große Anzahl von Funktionen, die auf asynchroner Datenübertragung beruhen.
Ein Beispiel für eine ERP-ähnliche Architektur ist Die digitale Beschaffungsplattform von BeNeering. Die Plattform nutzt SAP-Daten direkt und in Echtzeit während des Einkaufsprozesses, anstatt eine parallele Datenumgebung aufzubauen. Dadurch können sowohl die Prozesse als auch die zugehörigen KI-Funktionen mit den aktuellen ERP-Daten arbeiten.
4. Passen Sie den Umfang dem Reifegrad der Organisation an.
Die Entscheidung zwischen einem umfassenden Big-Bang-Launch und einem schrittweisen Start mit einem minimal funktionsfähigen Produkt (MVP) sollte nicht auf Intuition beruhen. Entscheidend ist die Reife und Struktur der einkaufenden Organisation.
Unternehmen mit bereits klar definierten Beschaffungskanälen und ausgereiften Kategorienstrategien können die Lösung oft direkt über mehrere Abteilungen, Standorte oder Länder hinweg implementieren. Organisationen, die ihre Beschaffungswege noch strukturieren müssen, minimieren das Risiko, indem sie mit einem lernenden MVP-Ansatz beginnen.
Dies kann auf zwei Arten erfolgen. Entweder wird eine kleinere Anzahl hochstandardisierter Kategorien für die gesamte Organisation aktiviert, oder eine ausgewählte Benutzergruppe, wie z. B. eine Einrichtung oder Abteilung, erhält Zugriff auf die Lösung für alle Bedürfnisse.
Die zweite Option bietet Nutzern ein einheitliches Benutzererlebnis, ohne dass sie zwischen verschiedenen Systemen wechseln müssen. Unabhängig vom Implementierungsmodell sollte das langfristige Ziel dasselbe sein: ein zentraler, universeller Zugangspunkt für alle Einkaufsbedürfnisse einer Organisation.
5. Nutzen Sie den Arbeitstag der Benutzer als Grundlage für die Änderungsarbeit.
Mitarbeiter nutzen eine neue Lösung selten allein deshalb, weil sie technisch verfügbar ist oder von der Geschäftsleitung vorgestellt wurde. Bei der ersten Begegnung mit dem Tool möchte der Nutzer wissen, wie es seinen Arbeitsalltag konkret vereinfachen wird.
Die Antwort darf sich nicht auf abstrakte Compliance-Regeln beschränken. Die Lösung muss klare Vorteile in Form von Zeitersparnis, intuitiver Bedienung, geringem Schulungsaufwand und vollständiger Transparenz des Prozessstatus bieten.
Change-Management sollte daher nicht als reine Kommunikationsmaßnahme vor der Produkteinführung betrachtet werden. Wenn Vertreter des Unternehmens bereits in der Designphase Prototypen und reale Arbeitsszenarien testen dürfen, können ihre praktischen Erkenntnisse in die Lösung einfließen.
Insbesondere Gelegenheitsnutzer zeigen schnell, ob Konzepte, Formulare und Prozessschritte auch ohne tiefgreifende Einkaufskenntnisse verständlich sind. Durch die frühzeitige Einbindung werden die Nutzer zu Mitgestaltern der Lösung. Dies kann die Nutzung vom ersten Tag an steigern und kostspielige Korrekturen nach der Implementierung reduzieren.
Der Go-Live ist der Beginn der eigentlichen Tortur.
Eine technisch abgeschlossene Implementierung ist an sich noch kein Erfolgsnachweis. Der Wert der Einkaufsplattform zeigt sich erst im Arbeitsalltag: Wenn Standardanforderungen reibungslos abgewickelt werden können, der Anteil an Freitextanfragen sinkt, ERP-Daten zuverlässig fließen und die Einkaufsorganisation von wiederkehrenden Routineaufgaben entlastet wird.
Organisationen, die klare Ziele setzen, Einkaufskanäle strukturieren, die ERP-Integration sicherstellen und die Nutzer frühzeitig einbeziehen, schaffen eine solide Grundlage für Erfolg. Ebenso wichtig ist es, Verantwortlichkeiten für die laufende Verwaltung und Weiterentwicklung von Kanälen, Regeln und Nutzerleitfäden festzulegen.
Erst im laufenden Geschäftsbetrieb wird deutlich, ob die Digitalisierung des Einkaufs dauerhafte Entlastung bringt oder nur einen weiteren digitalen Umweg darstellt.








